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AUDIO PHYSIC Musik-Tipps

Hier finden Sie interessante Software-Tipps.

Empfehlungen unserer Mitarbeiter, Fachhändler aber auch von Freunden unserer Lautsprecher. Klanglich beeindruckende Pretiosen ebenso, wie Hinweise auf Raritäten aus allen Stilrichtungen.
Die vorgeschlagenen Alben erhalten Sie beim Fachhändler oder Internetportal Ihrer Wahl.
Wir wünschen Ihnen viel Freude damit.

Zum Musik-Tipp des Monats

Haben auch Sie einen tollen Tipp, ein Lieblings-Album oder ein Highlight entdeckt? Machen Sie mit und schreiben Sie uns. Gerne veröffentlichen wir auch Ihre Empfehlung. Teilen Sie Ihren Tipp mit anderen Musikbegeisterten und Freunden von AUDIO PHYSIC. Das darf ein einfacher Hinweis auf das Album, das Konzert oder den Film sein, oder eine eigene kleine Rezension.

 


 02.04.2012

Billy Idol | Storytellers | EMI

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats April

Billy Idol | Storytellers | EMI

Nicht alles, was älter wird, wird auch besser. Im Gegenteil; gerade einige Musiker haben sich offenbar selbst überlebt, bemerken es nicht und wagen sich mit ihren alten Hits zwanzig Jahre später auf die Bühne, und geben eine mehr als traurige Figur ab.

Ich gestehe, dass ich im vorliegenden Fall skeptisch war. Doch was Billy Idol mit „Storytellers“ abliefert, hat mit gebrechlichem Gekrächze so gar nichts zu tun. Idol scheint nicht gealtert, sondern nur gereift, im besten Sinne. Er rockt hier (live), was das Zeug hält – stünde der junge, wilde Billy aus den Achtzigern daneben, würde der ganz schön alt aussehen.

Auf „Storytellers“ erleben wir den Künstler auf kleineren Bühnen in Begleitung akustischer Instrumente. Seine Stimme steht also viel stärker im Fokus als bei früheren Studioproduktionen. Und das zeigt einen deutlich ausdrucksstärkeren und wahrlich nicht gezähmten Sänger. Idol hat keineswegs verlernt, diesen speziellen bubenhaften und zuweilen anzüglichen Charme spielen zu lassen. Ehe man sich versieht, dreht man die Lautstärke höher und höher (Vorsicht). Die Musik strahlt eine so unfassbare Energie aus, ist so zwingend; da wippen nach Sekunden die Beine, schnippen die Finger.

Ob „Dancing With Myself“, „Rebell Yell“, ja sogar „Sweet Sixteen“ (ungemein gefühlvoll und klanglich erstklassig!) – Stücke, die man früher vielleicht ganz gut fand, wandeln sich plötzlich zu einer kleinen Kostbarkeit, die mehr ist als eine Erinnerung. So werden Melodien zu Klassikern. Eine uneingeschränkte Empfehlung, ein Muss. (ki)

 


 06.03.2012

Wrecking Ball | Bruce Springsteen | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats März

Wrecking Ball | Bruce Springsteen | Sony

Der Titel „Wrecking Ball“, was soviel bedeutet wie Abrissbirne, erscheint martialisch. So zerstörerisch kommt Springsteens neues Album aber nicht rüber; auch wenn der „Boss“ einmal mehr gesellschaftskritisch eindeutige Worte findet und klar Position bezieht. Ist bequem als gesetzter Plattenmillionär, mag man meinen, doch so einfach funktioniert Springsteen nicht. Das Thema Gerechtigkeit war und ist ihm wichtig – in Wrecking Ball vielleicht wichtiger denn je. So lässt er musikalisch die Abrissbirne außen vor, verpackt seine Botschaften in ein ungewöhnlich weit gespanntes akustisches Spektrum. Mal tragend, wie perfekt ausbalancierte Wogen, in „This Depression“, dann rhythmisch federnd wie in „We Are Alive“ oder in Springsteen-typischen Hymnen in „We Take Care Of Our Own“. Verlernt hat er nichts, er wirkt teilweise frischer als auf manch vorangegangenem Album. Seine Missbilligung gesellschaftlicher Zustände bringt ihm eine ordentliche Portion jugendlichen Elans, besonders in „Death To My Hometown“. Ein weiteres Highlight ist „Land Of Hope And Dreams“; musikalisch tut sich hier ein sehr komplexer Kosmos auf, rockig aber mit feinen, gefühlvollen Einlagen ausgeschmückt.

Klanglich ist das Album uneinheitlich, was in diesem Fall nicht einer gewissen Spannung entbehrt. Denn einzelne Spuren wurden im Studio offensichtlich so klar und präzise eingespielt, dass Gedanken an HD-Equipment auf der Hand liegen, andere dagegen tönen ausgequetscht und fahl wie niederstes MP3-Niveau – beides fügt der Tonmeister nach gusto zusammen, je nach Track zeitgleich, was über eine erstklassige Wiedergabekette sofort erkennbar wird. Ein interessantes Stilmittel, das nicht stört, sondern viel mehr der inhaltlichen Aussage – es gibt immer auch eine düstere Seite – Nachdruck verleiht. Eine ähnliche Handschrift trägt „We Are Alive“, das mit vertrautem Rillenknacksen abgenudelter Vinylscheiben startet. Apropos Vinyl: Die Analogplatte kommt als 180gr-Pressung und klingt farbiger als auch räumlich homogener als die CD. Hier lohnt es sich zuzugreifen, da die CD der Doppel-LP gleich beiliegt. (ki)

 


 06.02.2012

Chet Baker | Chet Baker Sings | inakustik

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Februar

Chet Baker | Chet Baker Sings | inakustik

Aus Neugier, ich hatte Gershwins „But Not For Me“ noch in der famosen Interpretation der jungen Nana Mouskouri, produziert von Quincy Jones im Ohr, startete ich die LP mit der B-Seite, eben mit „But Not For Me“, gesungen vom jungen Chet Baker. Ein leicht frustrierendes Ereignis nach dem druckvollen, klar artikulierten Gesang der Mouskouri. Doch sind junge Künstler, Ausnahmetalente, zuweilen etwas schnöselig, dachte ich. Und Baker, viel eher bekannt für sein virtuoses Spiel auf der Trompete, war gewiss ein wenig exzentrisch. „Time After Time“ kam prompt ebenso distanziert und ich wollte die LP schon zur Seite legen; doch ab diesem Punkt lichtete sich der Schleier, das Ausnahmetalent hatte sich offensichtlich zuvor nur aufgewärmt. Fortan brilliert der Künstler mit einer ungemein zarten, fast zerbrechlich erscheinenden Stimme. Instrumente, außer Bakers eigenem Spiel, bleiben überwiegend verhalten im Hintergrund. Und doch entsteht ein harmonisches Wechselspiel zwischen den Akteuren. Selten wird die Wirkung von Pausen in der Musik so deutlich, so elementar wichtig wie hier. Es ist, als dränge einen die Scheibe zur inneren Ruhe, einem angenehmen Zustand der Ausgeglichenheit. Lässt man es zu, zieht Baker den geneigten Hörer einem Kreisel gleich weiter und weiter in einen, in seinen, musikalischen Kosmos voll pastellener Klangfarben. Plötzlich wird einem bewusst, wie genau, wie treffsicher die Arrangements ausgeführt sind, Instrumente und Stimme zu einem großen Ganzen verschmelzen. Überaus beeindruckend sind gerade die sehr leisen Vibrato-Töne Bakers, so virtuos und vielfältig, dass sie fast hypnotisch wirken.

Insgesamt ein famoses Album, das in seiner Ruhe und mit den vielschichtigen aber unaufdringlichen Facetten einen Kontrapunkt zur hektischen Gegenwart setzt. Auch klanglich gibt sich die Einspielung dezent, wirkt mehr durch das gelungene Miteinander der hervorragenden Musiker als durch analytische Präsenz. (ki)

 


25.01.2012

The Union | Elton John & Leon Russel | Universal

The Union | Elton John & Leon Russel | Universal

Elton John lässt sich ungern in Schubladen pressen, ebenso gilt das für den famosen Leon Russel. Fast 70 Jahre und stets hochkreativ. Das Album „The Union“ führt zwei Ausnahme-Musiker zusammen, die nicht unbedingt für identische Stile stehen. Tun sich Musiker unterschiedlicher Richtungen zusammen, geht das regelmäßig schief. Hier jedoch befruchtet sich die Kreativität gegenseitig.

Wenngleich spärlich instrumentiert, klingt das Album opulent. Hierfür sorgen die üppigen, doch nie übertriebenen Drum-Einsätze in nahezu allen Stücken. Die Stimmen der Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Elton John füllig, sonor, je nach Stück weich, samtig in satten Klangfarben; Leon Russel spitz, kehlig, fast brüchig – genau dieser Kontrast verleiht dem Gesang des Mutlitalents aus Oklahoma, seine anregende Würze.

Durchweg klingt das Album eher dunkel, nicht düster; viele Songs bedächtig, doch nie träge. Die Musiker verstehen es, Pausen zu setzen. Elton John präsentiert sich in Höchstform, Leon Russel fasziniert durch die Vielschichtigkeit seiner Stimme. Eh man sich versieht, hört man die Scheibe, die auch als LP erhältlich ist, wieder und wieder. Kein Ohrwurmeffekt, viel mehr ein beispiellos gelungenes Album. Die LP lege ich Ihnen besonders ans Herz. Die zarten Schattierungen wirken lebendiger, Bässe zwingender, Klangfarben kontrastreicher und leuchtender.

Lautsprecher stehen vor einer großen Herausforderung. Nicht zwingend im grobdynamischen Sinn; vielmehr in Sachen Musikalität. Verstehen sie es nicht, die Pausen in der Musik eins zu eins umzusetzen, verliert die Musik ihren Charme. Es klingt dann zwar angenehm, doch beiläufig. Diese Einspielung jedoch ist alles andere als beiläufig. (ki)

 


 03.01.2012

Pottersville | Pothead | Janitor Records

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Januar

Pottersville | Pothead | Janitor Records

Die Böller sind verschossen und die besinnlichen Tage liegen hinter uns. Genau die richtige Zeit für echten, handgemachten Rock, um musikalisch volle Fahrt aufzunehmen. Passend strotzt das aktuelle Album „Pottersville“, der zur Kulttruppe avancierenden Formation Pothead, vor Energie, widmet sich gleichwohl aber auch sanfteren Tönen.

„C'mon on“ und „Can Go“ starten funkig, mit flottem Rhythmus und griffigen Riffs. Jeffs und Brads Gesang bilden einen beinahe leuchtenden Kontrast zum eher dunklen Gitarren- und Schlagzeugspiel. „Stand“ legt an Schlagkraft ein ordentliches Brikett nach, rockt, groovt satt drauf los und steigert schlagartig den Blutdruck – als wolle es die passende Stimmung und den Weg für den hymnenhaften Einstieg in das schwarze „Rock On. Let´s Rock“bereiten. Hier sind Pothead in ihrem Element. Pulsierende, knochentrockene Basswogen bilden das Fundament, auf dem sich die beiden Sänger sichtlich wohlfühlen und austoben. Ihr spielerischer Wechsel zwischen fast stakkatoartigem, hartem Sprechgesang und weichen Falsett-Tönen, spreizt den musikalischen Spannungsbogen weit auf. Live dürfte das Auditorium völlig aus dem Häuschen geraten. Direkt im Anschluss zeigen die Wahlberliner, dass sie Kunst der stilvollen Ballade nicht minder beherrschen („Love In A Way“). Gesang und sanftes Gitarrenspiel stehen im Fokus, Bässe fügen sich anheimelnd dazu in ein klangfarbenbetontes, samtiges Bild. In „About The Word“ brillieren Jeff und Brad mit leuchtenden Falsett-Stimmen, akustisch reich, aber nicht zu üppig garniert – ein echter Ohrenschmeichler, fern jeder Ohrwurm-Misskultur. „Atomic“ rockt wieder, ohne auf Tempo zu setzen. Viel mehr bilden hier Rhythmus und Gesang ein nahezu mathematisch präzises Korsett, das einen ganz besonderen Reiz besitzt. „Brunhilda“ dagegen klingt angenehm verspielt, rund, öffnet sich Einflüssen des Blues, um sogleich vom knackigen „Digitus Infamis“ abgelöst zu werden. Hier brummeln die Gitarren wie der sonore Antrieb eines Ford-Mustang. Geballte, vibrierende Power, stets im Zaum gehalten. Alleine das Wissen um die Kraft versetzt den Zuhörer in Schwingung. „Sky Fallin In“ und „All Fishers“ führen diese Linie konzentriert fort. Gemächlich, doch nie behäbig. „Relax Man“ greift wieder tiefer in den Basskeller, groovt satt mit schmetternden Riffs, bevor „Little Dipper“ ein beinahe süßes Ende einläutet. Eine filigrane Ballade, akustisch wundervoll ausgeschmückt – und gerade über hoch auflösende Lautsprecher ein Hochgenuss. Insgesamt klingt Pottersville auffallend gut, ohne effekthascherisch zu blenden; sehr aufgeräumt, tendenziell eher dunkel und trocken. Keinerlei bissige Härten oder scharfe, überzogene Höhen wie sie vielen Rock-Einspielungen anhaften, auch verengt sich das Klangbild in komplexen Passagen nicht. Die hochwertige 180-Gramm Vinylpressung lege ich Ihnen besonders ans Herz, sie wirkt beschwingter und macht einfach noch mehr Spaß. (ki)

 


05.12.2011

Franz-Josef Degenhardt | Stationen | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Dezember

Franz-Josef Degenhardt | Stationen | Universal

Unser Musiktipp des Monats widmet sich einem Liedermacher aus dem Ruhrgebiet. Der kürzlich verstorbene Franz-Josef Degenhardt war nie stromlinienförmig, viel eher Querdenker bis Querulant. In seinen Liedern setzte er sich mit den kleinen und kleinsten Banalitäten des Alltags auseinander („PT aus Arizona“), sezierte die Grundlagen und Zusammenhänge und setzte sie verspielt ironisch in seinen Texten um. Sein Durchbruch gelang ihm mit „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Gesellschaftskritische Töne und ein klares Bekenntnis zur politischen Linken waren sein Markenzeichen. Mahnend untersuchte er die Strukturen der Nach-NS-Zeit, legte offen, wie sich in den 50er und 60er Jahren Seilschaften aus alten Tagen neu etablierten, und kämpfte für Schwachen in unserer Gesellschaft („Väterchen Franz“, „Wenn der Senator erzählt“, „Vatis Argumente“). So haben viele seiner Titel heute wieder unschöne Aktualität erlangt. „Stationen“ gibt einen tiefen Einblick und breiten Überblick über das Schaffen Degenhardts über zwei Jahrzehnte. Sein gewandtes Spiel mit Worten, seine Gabe, ernsteste Themen leise und doch mit spitzer Zunge anzugehen ist einzigartig und wurde Vorbild für andere Musiker des Genres. Degenhardt gelingt es bei aller tiefen Intensität seiner Songs stets, ein Schmunzeln auf das Gesicht der Zuhörer zu zaubern. Schon daher ist „Stationen“ ein Juwel. Die Stücke kommen überwiegend in sehr ordentlichem Sound daher, enorm aufgeräumt, mit binnendynamischen fein ziselierten Strukturen (Gitarre) und einem breiten Bouquet an pastellenen Klangfarben. Man sieht den Musiker förmlich im Raum vor sich sitzen, die Gitarre vor dem Wanst und freudig vor sich hin nuschelnd. Den Stücken werden Sie gewiss mehr als einmal lauschen, immer wieder offenbaren sie Neues, es ist eine wahre Freude dem virtuosen Zusammenspiel von Worten, Wendungen, Phrasierungen und Sprachbildern zu folgen. Musik ohne Filter, klanglich filigran und inhaltlich brillant. Lautsprecher, die in den Mitten Schwächen zeigen, undurchsichtig sind, Details unterschlagen, lassen die Musik grau oder gar belanglos erscheinen. Exzellent auflösende Speaker nehmen den Zuhörer mit auf eine spannende Entdeckungsreise in den Degenhardts musikalischen und politischen Kosmos. Nicht nur an langen Winterabenden ein Genuss. Sollte Ihnen das Album oder auch „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ in gut erhaltenem Zustand als Vinyl begegnen, unbedingt zugreifen. (ki)

 


05.12.2011

Peter Gabriel | New Blood | EMI

Peter Gabriel | New Blood | EMI

AUDIO PHYSIC-Freund Rainer Kamp empfiehlt das aktuelle Gabriel-Album „New Blood“: „Alte Hits von Gabriel mit klassischen Instrumenten neu arrangiert. Beim ersten Lesen dachte ich naja... bis ich die CD gehört habe!“

 


 15.11.2011

Deacon Blue | Raintown | Sony

Deacon Blue | Raintown | Sony

Die kühle Jahreszeit verführt zu intensiven und entspannenden Hör-Abenden. Passend dazu empfehlen wir ein bereits älteres aber zeitlos zu nennendes Album der Formation Deacon Blue. „Raintown“ beschert wunderschöne Hörmomente mit sanften, kunstvoll ausgestalteten Pop-Songs. Ob schnellere Stücke oder melancholische Balladen, stets steht die charismatische Stimme des Leadsängers im Fokus. Sie bildet das tragende Element und den Spannungsbogen der Titel.

Das wundervolle „He Looks Like Spencer Tracy Now“ beginnt karg instrumentiert, Tonfolgen Farbtupfern gleich, begleiten den weichen und zugleich leuchtenden Gesang. Im Verlauf öffnet sich die Bühne. Tonfolge auf Tonfolge bewegt sich die Musik wie ein Florteppich, den man ausrollt, weiter in die Tiefe aus. Ein faszinierender Raum tut sich auf. Rauchig, beinahe kernig kommt dann der Gesang in „When Will You Make my Telephone Ring“ rüber, blüht geradezu durch ein breitgefächertes Bouquet an Klangfarben.

Mit „Dignity“ eroberte das Sextett 1987 auch deutsche Charts. Ein breitentauglicher Ohrwurm mit pfiffigen Arrangements, der kaum Gefahr läuft ins Belanglose zu driften.

Weiteres Highlight: „Town To Be Blamed“, das mit einer emotional angespannten Atmosphäre startet und durch ein dynamisches Wechselspiel zwischen fast geflüsterten Passagen und dem knackigen Refrain regelrecht pulsiert. Mal tönt die Stimme zerbrechlich, rau wie feinstes Sandpapier, dann kräftig, kehlig, fast anklagend. Der Titel schwingt so allmählich aus, wie die Wellen, die ein ins Wasser geworfener Stein hinterlässt. Auch „Riches“ lebt vom Gesang des Leadsängers und der Strahlkraft der Background-Vocals (tolle Stimme!). Diese leuchten regelrecht und bilden so einen starken Kontrast zu den stählernen E-Piano-Lagen.

Deacon Blue liefern hier Pop in Bestform. Die Neuauflage als „Legacy-Edition“ bringt noch eine zweite Disc mit Live-Tracks mit. Klanglich bewegt sich „Raintown“ auf einem sehr hohen Niveau. Sollen die faszinierend zarten Facetten und Nuancierungen, die einen unnachahmlichen Reiz ausüben und von denen diese Musik lebt, voll zur Geltung kommen, fordert das Lautsprechern Höchstleistungen ab. Eine fantastische Spielwiese für die Fähigkeiten unserer Hyper-Holographic-Cone-Töner. Vergleichen Sie einmal... (ki)

 


 07.11.2011

Dusty Springfield | Brian Eno

Dusty Springfield | Dusty In Memphis | Universal

Brian Eno & David Burne | My Life In The Bush Of Ghosts | EMI

Tchaikovsky | Ouverture 1812 | Cincinnatti Orchestra (1979)

Gleich drei musikalische Highlights unterschiedlicher Stilrichtungen empfiehlt Herr Besselink aus Apeldoorn. Wir wünschen allen AUDIO PHYSIC-Freunden viel Freude damit.

 


 01.11.2011

Helene Grimaud | Chopin, Rachmaninov

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats November

Chopin (Piano Son. 2), Rachmaninoff (Piano Son. 2)
Hélène Grimaud | DG Universal

Tod und Transzendenz waren für Hélène Grimaud das Thema und letztlich der Grund, Chopin und Rachmaninoff auf einem Album zu einen. Themen, mit denen wir uns weniger gern auseinandersetzen; zumindest sprachlich. Doch fasziniert der Tod, und in der Musik lassen wir Gedanken zu, die wir sonst scheuen. So ist Grimauds Spiel eine spezielle Art der Bewältigung, nicht im psychologischen Sinne. Das spürt, wer ihre Interpretation Chopins Piano Sonate 2 hört. Ihr Spiel ist lebendig, selbst die ruhigen Passagen nicht tragend, sondern filigran, sie erschafft eine Farbenwelt, die ich ihrerseits als transzendental bezeichne: gleißend hell, teilweise blendend. So wirkt manch Anschlag wie ein kurzer Blick direkt ins Sonnenlicht – hält bei geschlossenen Augen an und wechselt in beinahe neongrüne Tupfer. Der Trauermarsch in sich schwillt an, aber weniger düster und bedrohlich als pulsierend druckvoll, so als wolle „Leben“ aus einer bestehenden Form in eine andere wechseln. Hier ist Kraft das herrschende Element, eine nach vorne „ins Licht“ gerichtete Intensität mit enormer Dynamik. Kein leichtes Unterfangen selbst für ausgewachsene Lautsprecher dynamisch Schritt zu halten und die brillantengleich zart glitzernden Schattierungen nicht farblich gleichzuschalten. Hier ist höchstes Auflösungsvermögen gefragt, besonders in den Mitten und im Präsenzbereich.

Den Bogen zu Rachmaninoffs Piano Sonate No. 2 zieht Grimaud elegant, inhaltlich wie spielerisch. Ihr Spiel scheint nun dichter, gewichtiger, jedoch ohne an Leichtfüßigkeit zu verlieren. Das berührt. Es ist, als hätte sie einem Maler gleich die Palette getauscht, womit sie nun weichere Bilder erzeugt. Immer noch leuchtend, jetzt eher gelbrötliche, violette Töne, der Farbenpracht eines abendlichen, klaren Horizontes im Spätherbst ähnlich. Dazu gesellen sich abrupte Tempiwechsel, die einmal mehr das lebendige Element und die Aura des Lichts unterstreichen. So schwer und so intensiv die Musik, die Thematik – ehe man sich versieht, endet die Disc. Gerade so, als sei die Spanne des Lebens ein Augenblick. Grandios.

Eine Darbietung, die der Ausnahme-Künstlerin entspricht. Zusammenstellung und Spiel Grimauds werden daher nicht jeden ansprechen. Ihr energiegeladenes, ja teilweise nonchalantes Spiel wird manchen kühl und extrovertiert erscheinen. Andere wird genau das ansprechen. Ungebremst scheinen ihre Gedanken in ihr behändes, bisweilen stürmisches Spiel (Rachmaninoff) einzufließen, ja es vollkommen zu beherrschen. Klanglich auf hohem Niveau ist die Aufnahme ein Muss für alle Grimaud-Fans und ein Hochgenuss für alle Liebhaber eines akkuraten Spieles, das nur ein Künstler dieses Formats gleichwohl mit entfesselter Emotion in Einklang bringt. (ki)

 


 28.10.2011

Pink Floyd | Animals

Pink Floyd | Animals | EMI

Animals reiht sich nicht nahtlos an die vorangegangenen Floyd-Alben „Dark Side Of The Moon“ und „Wish You Where Here“; Animals ist kantiger, rauer, wirkt auf konkrete Weise bedrohlicher – der gedankliche Sprung zu George Orwells' „Farm der Tiere“ liegt zum Greifen nah. Es geht Waters in Animals weniger um Innenwelten, Wahn und Paranoia als um reale, alltägliche Wesensarten des Menschen, die er in drei Typklassen differenziert (Schweine, Hunde, Schafe).

Synthieklänge beherrschen auch Animals über weite Strecken, sie sind aber nicht mehr annähernd so tragend wie in „Dark Side Of The Moon“; Animals ist rockiger, im wahrsten Sinne erdverbunden und überrascht immer wieder mit kreativen Wendungen.

Das Zauberelixir „Remastering“ sorgt für klingelnde Kassen, tut Alben aber eher selten gut. „Animals“ dagegen gewinnt klanglich deutlich. Kann man bei „Whish You...“ noch streiten, ob man das 2011er Remaster braucht, ist es hier keine Frage. Einzelne Tonspuren sind von Grauschleiern und Rauschfahnen befreit, atmen jetzt frei durch und schon im Intro glänzen die Gitarrensaiten wie frisch aufgezogen.

Mit „Dogs“ fällt ein drastischer Gewinn an Basisbreite auf, ohne dass sich das akustische Zentrum flächig in die Breite zieht. Gilmours Gesang bleibt mittig fixiert, sein Mund wächst nicht zum Walfischmaul. Im Verlauf des Stückes rückt das Gitarrenspiel immer wieder in den Vordergrund. Klanglich so pieksauber, als sei es ein autarkes Ereignis, das dennoch im großen Ganzen eingebunden ist. Dann jaulen Hunde und Waters´ Bassgitarre dröhnend auf –der akustische Raum gibt eine enorme Tiefe frei. Das Ur-Album bleibt vergleichsweise zweidimensional, Ausschwingvorgänge sind nicht präsent. Die weit aufgezogenen Klanggemälde des 2011er Remaster klingen fast nach Surround, aber nicht so unnatürlich, nicht aufgebläht. Mich erinnert es an Waters´„Amused To Death“ mit seinen Q-Sound-Effekten. Überhaupt kommt mir nach so vielen Jahren einiges bekannt vor; kehren nicht Tonfolgen, Sequenzen später ähnlich, aber in anderer Ausrichtung, in Werken Alan Parsons wieder? Eine rhetorische Frage.

„Pigs“ startet quiekend, das Keybord tönt schweinchenrosa, weich, pastellen und hell. Die rotzig gespielte Gitarre bildet einen harten Kontrast. Räumlich nutzt „Pigs“ im Remaster mehr den Raum zwischen den Boxen und davor aus, der Schwerpunkt verlagert sich. Details sind konkreter, das gezielte Spiel mit der Phase wirkt intensiv auf den Zuhörer.

„Sheep“ lebt durch den spielerischen Umgang mit Tempi, Klangfarben und Raum, mal Weitwinkel, mal Makro. Farben kommen mal bunt getupft (Keybord), dann wieder graubraun, erdig oder gleißend hell. Die Spannweite ist gegenüber der Ur-Version bemerkenswert gewachsen.

In seiner Facettenvielfalt in Mitten und Höhen, ist „Animals“ eine wundervolle Spielwiese für die AUDIO PHYSIC HHC-Töner. Sie legen Feinheiten frei, die mit konventionellen Chassis meist verborgen bleiben – ohne sie vordergründig heranzuzoomen.

Mein Fazit: Remaster gelungen, Musik ohnehin „State of the Art“. Und wenn Sie zu den vielen Pink Floyd-Anhängern zählen, die „Animals“ noch nicht im CD-Regal haben, lohnt es sich zuzugreifen. Noch besser zu Vinyl, ein Erfahrungsbericht folgt. Mit dem Abstand der Jahre könnte es gut sein, dass Sie dieses Werk mehr faszinieren wird als manch anderes von Pink Floyd. (ki)

 


 26.10.2011

Pink Floyd | Whish You Where Here

Pink Floyd | Wish You Where Here | EMI

Über die Inhalte, die Musik muss man keine Worte mehr verlieren; „Wish You Where Here“ zählt zu „den“ Alben des Psychodelic-Artrock schlechthin. Erschienen 1975 will das aktuell remasterte Album im Glanz des neuen Jahrtausends daherkommen.

Vom Start weg tönen die Synthieklänge im Vergleich zur Urfassung etwas strahlender, zugleich gelöster, was den Eindruck der virtuellen Räumlichkeit steigert. Die Drums kommen robuster, klarer in den Umrissen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es in komplexen Sequenzen dynamisch beengt bleibt. Mit Ausnahme des Hochtonbereichs, die Hi-Hats schimmern silbrig und vermitteln jetzt ein wenig den Eindruck räumlicher Höhe.

Track 2 „Welcome To The Machine“ klingt in der ersten Minute gefährlicher, Angst einflößender. Das von der Maschine ausgehende metallische Geräusch, wirbelnden Rotoren gleich, vermittelt das Gefühl eines wachsenden, dunklen Etwas, das sich bedrohlich nähert. Die Gitarrensaiten fühlen sich wie von Mehltau befreit, griffiger, allerdings auch minimal aggressiver, was dem Stück nicht schadet.

Das gilt auch für „Have A Cigar“, was energiegeladener und knackiger rüberkommt. Der Gesang jedoch bleibt hinter einem seidenen Vorhang.

Der Klassiker „Wish You Where Here“ gibt sich jetzt schlackenlos, die Basisbreite reicht weiter und das Gitarrenspiel ist pieksauber in die Mitte genagelt. Sanft überstrichene Saiten klingen, wie es sein muss, sanft, fast anheimelnd; greift Gilmour härter in die Saiten wächst die dynamische Spannweite; das Wechselspiel zwischen lauten und leisen Tönen ist weiter gespreizt, damit dynamischer und packender.

Zum Ende verlieren sich in „Shine On You... / Parts 6-9“ Grundtöne und Mitten ineinander. Es bleibt schwierig den Überblick zu wahren. Auf der anderen Seite, wer braucht den an dieser Stelle? Hier schwebe ich längst in einer anderen Welt...

Insgesamt kein Muss, zumal mich das Pappcover nervt, das nicht so recht zum Preis von derzeit gut 15 Euro passen will. Dennoch ein mehr als nur mit Politur aufgefrischtes Remaster, energiereicher, detailfreudiger. Hier wurde klug und sanft optimiert. Im unteren Bassbereich legt dieses Album an Tiefgang und Präzision sogar nachhaltig zu; ebenfalls gefühlvoll und nicht mit Tamtam. Diesen qualitativen Zugewinn reproduzieren Lautsprecher wie beispielsweise die VIRGO 25 oder die AVANTERA sehr deutlich. Ein Bericht über die neue Vinylpressung folgt in Kürze. (ki)

 


 12.10.2011

Helen Schneider | Working Girl |
edel records

Aus klanglichen Gründen muss ich die Scheibe nicht haben, dachte ich nach einigen Tracks. An den meisten Stücken haben die Toningenieure und ihre Helferlein nichts ausgelassen und so ziemlich alles verbaselt, was möglich war. Und doch finden Sie dieses Album hier als Empfehlung. Das liegt an der Künstlerin Helen Schneider, die hier eine Bandbreite zeigt, wie wir sie von ihr in aller Regel nicht kennen. Und es liegt daran, dass die außergewöhnlichsten Stücke dann klanglich doch gewaltig aufdrehen.

Das Album startet mit Ausflügen in die wilden Zeiten der endenden 70er, die Schneider begleitete und inspirierte. Kein weichgespülter Auftritt, mit denen viele Künstler und Bands den Wechsel in die beginnenden Achtziger einleiteten. Alleine „Hot Summer Nites“ und die Rock-Hymne „Rock n`Roll Gypsy“ sind den Kauf dieses Albums wert – aus stilistischer und musikalischer Sicht. Danach sinkt das Niveau, auch Helen Schneider scheint auf Sparflamme zu singen („I´m Losin´), wohl der Tiefpunkt des Albums. In „Angry Times“ rockt sie, was das Zeug hält, das macht trotz des zweidimensionalen, dynamisch beengten Klangs richtig Spaß. Es folgt ein kurzes Wechselspiel zwischen klang- und belanglosen Stücken, in denen die Schneider immerhin mehr Stimmgewalt zeigt. Die Soundqualität steigt nun spürbar, Bässe reichen tiefer und sind konturiert, hohe Frequenzen samtig und entspannt. Konträr dagegen die Inhalte: „It Doesn´t Matter“ – Schmalz in allzu typischer 80er Manier.

Dann aber, endlich: „Dream A Little Dream Of Me“; Schneider singt, interpretiert wie ausgewechselt; schmachtet den Titel derart intensiv und glaubwürdig, dass die Monroe vor Neid erblasst wäre. Hier stimmt alles, die an feinste Bar-Musik angelehnte, gering instrumentierte Darbietung voller Swing und Natürlichkeit, wie auch der Klang. Offen, feinzeichnend, da zeigt sich eine außergewöhnlich starke, ja prächtige Stimme.

Absolutes Highlight: Das extrem dynamische „Mack The Knife“, in dem die Schneider auch einige Worte in deutsch zum Besten gibt. Das Stück ist ungeschminkt aufgezeichnet, tönt tendenziell hart, rassig bis bissig – was der Aufnahme entspricht. Die pulsierenden Wechsel, das An- und Abschwellen der Lautstärke packt vom ersten Ton; Gas geben, Bremsen, wieder Gas – das kommt Formel-1-Feeling auf. Die Schneider führt das Stück wie von Ballast befreit, so eindringlich, so intensiv, dass sich der Vergleich zu einer Operndiva aufdrängt. Sie ist zwar Teil der Musik, der Komposition, doch gibt sie den Takt vor. Ein unglaubliches Können, man spürt, dass Helen Schneider Musik „lebt“ und weit über sich hinauswächst; da schlagen die prägenden frühen Jahre der Künstlerin, in denen sie viel Blues sang und klassisch Klavierspiel lernte, durch. (ki)

 


 01.10.2011

Hildegard Knef singt Cole Porter

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Oktober

Hildegard Knef singt Cole Porter | Warner

Hildegard Knef – da denken wir an Schwarzweiß-Fensehen, Shows mit Peter Frankenfeld und Kuhlenkampf, an Musik vergangener Tage. Doch die Knef passte nie in klare Raster, gewann ihr Publikum mit ihrem eigenen Stil, ihrer Unnahbarkeit und dem Charme einer großen Dame.

Und davon hat die Knef heute, zehn Jahren nach ihrem Tod, nichts eingebüßt. Auf dem endlich als CD erhältlichen Album begeistert jeder einzelne Titel, zeugt von der Einzigartigkeit dieser Künstlerin, die ihr Publikum nicht unbedingt durch grandiosen Gesang, sondern eine perfekte Vorstellung in den Bann zog.

Die Mischung aus melodischem Sprechgesang, den sparsam eingesetzten Instrumenten und gelungen umgesetzten Arrangements hat nichts an Attraktivität verloren – und schon nach wenigen Minuten wird dem geneigten Hörer klar, was Musik unserer Tage meist fehlt: Gefühl. Ich rede nicht von herzerweichend triefenden, gefühlgeschwängerten Balladen, noch weniger von streichzart aufgeweichten Schnulzen, die mit ihrer Einfallslosigkeit Gehirn und Ohren auf „Pause“ zwingen. Hier ist Musik intelligent, gestalterisch, gefühlvoll – ja, aber freigeistig, einfach kostbar.

Die kluge Kombination von Elementen des Jazz, Blues und Swing spiegelt das Zeitgefühl wieder und macht heute vielleicht mehr Laune denn je. In „Endstation“ sieht man die Knef förmlich Lächeln. Im Grunde verbietet es sich, einzelne Titel des Albums besonders hervorzuheben, jeder einzelne Track offenbart seinen ganz eigenen Reiz. Dennoch erwähne ich an dieser Stelle ihre Interpretation des Evergreens „Fever“. Melodielinien mehr getupft, denn geschlossen und Knefs „very german“ English gehen so leicht und unmerklich unter die Haut, dass man den Titel sofort wieder hören möchte. Doch bevor man die Taste am CD-Player drücken kann, siegt die Neugier auf das nächste Stück.

Ein Album voller kleiner Pretiosen, aufnahmetechnisch hervorragend aufgearbeitet, sogar die wenigen Mono-Aufnahmen klingen ausgewogen, wenn auch die Klangfarben sich durch einen Grauschleier mühen. Ein in jeder Hinsicht exzellentes und einzigartiges Album. Zeitlos schön, frisch, mal bedächtig, fast nachdenklich, dann wieder dynamisch pulsierend – besser kann Musik nicht sein. (ki)

 


 27.09.2011

10cc „The Best Of“ | Universal

Eine Empfehlung von Heinz Knopp aus Augsburg für AUDIO PHYSIC-Freunde

Diese CD habe ich per Zufall im Internet entdeckt. Da mich schon immer die bekannten Lieder wie „I´m Not In Love“ oder „Dreadlock Holyday“ begeistert haben und ich sonst wenig Zugang zu dieser Band gefunden habe, dachte ich mir, mit einer Best-Of Scheibe kann man wenig Fehler machen. Die Klangqualität dieser CD begeistert mich. In Verbindung mit einer Röhrenanlage und der AVANTERA bekommt man Klangvariationen zu hören, die nicht alltäglich sind. Je öfter man die Stücke hört, umso mehr Details erschließen sich. Mit dieser CD bekommt man sehr viel Klang und Musik fürs Geld vor allem, wenn man Besitzer von AUDIO PHYSIC Lautsprechern ist.

 


 15.09.2011

Bach Boulez

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats September

Tom Jones | Praise & Blame | Universal

Vor seiner internationalen Karriere tingelte der gebürtige Waliser durch Pubs, wo sein Talent nicht lange unentdeckt blieb. Mit „It´s Not Unusual“ landete er auf dem ersten Platz der englischen Charts. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Jones wechselte in die USA nach Las Vegas. Mehr als einmal katapultierte sich „Tiger“ Tom Jones unter die Top-Ten der US-Charts und internationalen Hitparaden.

Kein Wunder, seine leicht rauchige aber äußerst kräftige Stimme ist unverkennbar und auf der Bühne fühlt er sich heute noch so zuhause wie wenige andere Künstler. Jahrzehnte bezirzte der Frauenschwarm das Publikum, mit „Praise & Blame“ aber dürfte er auch anspruchsvolle Musikfreunde begeistern. Mag es der Reife zuzuschreiben sein oder schlicht Experimentierfreude, auf diesem Album schlägt Tom Jones neue Töne an.

Eine Vielzahl der Songs lehnt sich stark an Gospel und Blues an. Da wirkt nicht die Stimme allein, die fraglos dominant ist, sondern auch das gekonnte Wechselspiel mit Pausen und Betonungen, das geschickte Auf und Ab dynamischer Strukturen. Die Stücke bieten eine Vielzahl akustischer Informationen, obwohl sie wenig instrumentiert sind. Hier ist nichts überladen, hier gehen alle Musiker eine faszinierende Liason ein. Musik wie sie schöner kaum sein kann. Geschmeidig, voller Kraft und Tiefenstärke. Letzteres gilt wörtlich. Die sanft geschlagenen Pauken und Drums spürt man förmlich ein- und ausschwingen. „If I Gave My Soul“ und „Nobodys Fault But Mine“ gehen so schnurstracks unter die Haut, ganz ohne Tiger-Allüren. „What Good Am I?“ pulsiert regelrecht, wächst und breitet sich im Raum aus wie eine Killerwelle, obwohl das von Pauken getragene Stück fast gemächlich daherkommt. In „Don´t Knock“schält sich der alte Tiger wieder aus dem sanften Katzenfell, zeigt Krallen und rockt die Bühne. Jones zeigt einmal mehr, wie vielseitig er ist.

Die Titel wurden in unterschiedlichen Studios eingespielt. Sie schwanken klanglich. Das stört nicht, da „Praise & Blame“ nicht zugunsten der Radiowiedergabe dynamisch zusammengestaucht wurde. Die wenigen Tracks mit eher enger Abbildung und Spannbreite wirken durch ihre Inhalte. Die übrigen Stücke klingen absolut erstklassig, grob- wie feindynamisch und fordern das Auflösungsvermögen einer Kette auf das Äußerste. In der Summe musikalisch und klanglich ein absolutes Highlight und unsere Platte des Monats. Besonders schön: Das Album ist auch auf Vinyl erhältlich! (ki)

 


 12.09.2011

Doris Day | My Heart | Sony

Doris Day | My Heart | Sony

Fast mag man sagen, die Day lebt ewig. Ihre gewinnende Ausstrahlung und ihre sanfte Stimme werden Menschen noch Generationen in Erinnerung bleiben. Meist als Schauspiel-Partnerin an den Seiten von James Garner, Rock Hudson oder James Stewart. Wobei die Künstlerin in Movies des Öfteren ihr Können als Sängerin bewies. Mit „Que sera, sera“ aus „Der Mann, der zuviel wusste“ heimste sie gar einen Oscar für den besten Song ein.

Auf „My Heart“ singt sie ihre Lieblingsstücke aus verschiedenen Zeiten. Dabei ist es weniger eine Zeitreise denn ein Spiegelbild eines Lebens voller Musik. Musik, die eingängig, stets angenehm, doch nicht oberflächlich ist. In „Heaven Tonight“ sieht man förmlich ihr strahlendes Lächeln vor Augen, das Leben liebend. Wenngleich das nicht immer einfach war für die erfolgverwöhnte Künstlerin. 2004 verstarb ihr Sohn Terry, der auch als Produzent arbeitete. Für seine Mutter schrieb er „Happy Endings“, doch bestand Doris Day darauf, dass er selbst das Stück singt. Die gefühlvolle Ballade erhielt spätestens mit dem Tod des Terry Melchers eine andere, tiefer gehende Bedeutung. Bei aller Melancholie in dem Stück, immer erkennt man den leuchtenden Hoffnungsschweif am Horizont. Ein Album, wie Doris Day auf den Leib geschnitten. Glücklich, weltoffen, stets mit einem leichten Zwinkern im Auge. Sicher nicht für jedermann ein Highlight, die Musik mag manchem zu einseitig, zu „amerikanisch“ positiv sein. Fans kommen voll auf ihre Kosten. Und warum soll uns Musik nicht auch einmal eine „Heile Welt“ ins Wohnzimmer zaubern? Der Alltag ist hart genug, und schließlich ist Musik auch dazu da, uns aus dem Alltag zu entführen.

Das Album tut dies mit simplen aber feingliedrigen Arrangements, ohne Bombast. Silbrig flirrende Hochtongespinste gesellen sich zu Days Gesang, unterstreichen ihre Ausstrahlung. Zurückhaltend eingesetzte Streicher runden das organische Klangbild ab. Auch wenn die Tracks etwas künstlich daherkommen und der Tonmeister mit dem Hall etwas zu gutmütig umgegangen ist, ist das Album tonal ausgewogen und voller Klangfarben. Wunderbare Abendmusik – nicht nur, aber ganz besonders über hochwertige Wiedergabeketten. Absolute Highlights: „My Buddy“ und „My One & Only Love“. (ki)

 


 09.09.2011

Nina Hagen | Personal Jesus | Universal (Koch)

Nina Hagen | Personal Jesus | Universal (Koch)

Nina Hagen auf sakralen Pfaden?

Dass man von Nina Hagen nichts Gewöhnliches erwarten soll, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Zu ausgefallen, freakig aber ebenso neugierig und experimentierfreudig ist die Künstlerin.

Ihr Album „Personal Jesus“ macht hierin keine Ausnahme, zeigt aber wahrlich neue Facetten, die man der Hagen so gewiss nicht zugetraut hätte. Viel Stimme, klar, aber diesmal eine knackig, gekonnte Mischung aus Gospel, Blues und Rock. Im Grunde eine brandgefährliche Mischung, die schnell daneben gehen kann. Hier aber stellt man überrascht fest, dass die 13 Tracks schon „um“ sind, solchen Spaß macht die Musik. Kein inhaltlich monumentaler Tiefgang, auch wenn Hagen mit „All You Fascists Bound to Lose“ im Country-Sound einmal mehr klar Stellung bezieht. Viele Stücke „kennt“ man, doch so? „Personal Jesus“ oder „Mean Old World“ um nur zwei mitreißende Beispiele zu nennen. „Nobody's Fault But Mine“ – es mag Zufall sein, dass sich dieses Stück auch auf Tom Jones' Album „Praise & Blame“ befindet. Beide Versionen könnten unterschiedlicher nicht sein, doch sollten sie in keinem Plattenregal fehlen. Manchmal wünscht man ihr mehr Leibesfülle, mehr Stimmvolumen, doch bestünde dann nicht die Gefahr, der Austauschbarkeit? Und das ist Nina Hagen gewiss nicht. Auf „Personal Jesus“ zelebriert die Hagen sich selbst, erfindet sich wieder ein kleines Stück neu. Das ist richtig gut, das ist ein Genuss.

Eine ideale Scheibe, sich einer Künstlerin zu nähern, die man zuvor vielleicht als zu verschroben abgetan hat. Klanglich nicht auf perfektem aber auf hohem Niveau. Hier finden Interpretation, Sound und Freude am Ungewöhnlichen zusammen. Bravo! (ki)

 


 20.08.2011

Bach Boulez

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats August

Bach (Partita BWV 828 / French Suite BWV 812) &
Boulez (Notations, Incises) | David Fray | VIRGIN

Die Lust der Langsamkeit

In Zeiten wahrer Reizüberflutung neigen wir dazu auch in Sachen Musik „noch einen draufzusetzen“, – unsere Sinne mit Signalen zu stimulieren, die noch einmal deutlich über der ohnehin schon weit gespannten Bandbreite, dem hohen „Grundrauschen“ unserer Wahrnehmung liegen. Allzu leicht tauschen wir den einen Reiz gegen den nächst größeren aus – und wundern uns, wo die Ruhe in der Welt und in uns geblieben ist.

Hier setzt David Fray einen willkommenen Kontrapunkt. Für weniger geübte Klassik-Freunde oder all jene, die Bach intuitiv mit gewaltigen Orgelwerken verbinden, könnte das eine völlig neue Erfahrung werden. Bachs Partita BWV 828 ist nicht gewaltig monströs, viel mehr ruhig elegant. Und eben so spielt sie Fray.

In den ersten Augenblicken, ja Minuten, mag man eine Unruhe feststellen – nicht in der Musik, nicht im Spiel. Viel mehr in sich selbst, kaum merklich anschwellend zu einer Ungeduld. Die Diskrepanz zwischen benanntem Grundrauschen und der plötzlich einwirkenden Gemächlichkeit, lässt unseren Geist schnell nach „stärkeren“ Reizen suchen. Auf dieser Sinnesreise werden wir uns dessen wie aus dem Nichts bewusst – da hat Frey schon eine Weile gespielt.

Sein Spiel ist dabei alles andere als belanglos, im Gegenteil; es wirkt in sich ruhend und zugleich so leicht, dass uns das Fehlen jeglicher „Effekte“ irritiert. Die Musik schwebt förmlich vorüber, besser, durch uns hindurch, perfekt austariert und formvollendet; in einer organischen Reinheit, der man erst nach und nach wirklich gewahr wird.

Die hohe Qualität der Aufnahme unterstreicht das. Gerade die sanften Anschläge, die fein- und feinstdynamischen Schattierungen, die die Klangfarben-Palette weit auffächern, belegen das hohe Niveau und stellen das Auflösungsvermögen eines HiFi-Systems auf die Probe.

Dass Fray auch die kantigen, harten und rassigen Töne beherrscht, beweist der junge Künstler in den Notations und Incises von Boulez. Sich selbst bleibt er dabei treu, auch hier gelingt es ihm bei allem Tempo feinsten Klangfarbenunterschieden und insbesondere den Pausen, die wie ein Katalysator wirken, ein spürbares Gewicht zu geben.

Zum Einstieg in die klassische Musik eignet sich das Album weniger, man könnte dazu verleitet werden, die Musik als angenehme Hintergrundbeschallung anzusehen, die die Spannweite unseres „Grundrauschens“ verringert. Das wäre doppelt fatal, denn die Virtuosität, die dem Flug eines Schmetterlings gleiche Leichtigkeit in Frays Spiel, und nicht zuletzt seine neue, junge Innenansicht der Werke von Bach und Boulez blieben verborgen. Und ebenso verborgen bliebe uns die Chance auf innere Stille und Neukalibrierung unserer Sinne. Fray gibt mit diesem Album alten Worten neuen Glanz: in der Ruhe liegt die Kraft.    (ki)

 


 30.07.2011

BeeGees | This is where I came in | UNIVERSAL

BeeGees | This is where I came in | UNIVERSAL

Sie haben Musikgeschichte geschrieben und zählen fraglos zu den größten Pop-Gruppen der Welt. Viele ihrer Alben fingen den Spirit der jeweiligen Zeit ein, unvergessen sind Werke wie „Massachusetts“ in den Sechzigern, „You win again“ in den Achtzigern, auch wenn insbesondere in den Neunzigern einige ihrer Alben weniger stark ausfielen. „This is where I came in“ schließt im neuen Millennium an die Großwerke an. Und das nicht nur musikalisch. Klangtechnisch ist dieses Album so exzellent wie nur wenige Aufnahmen des Genres. Gewaltige Dynamiksprünge auf der einen, feinfühliger, ausdrucksstarker Gesang und pfiffige, bisweilen rockige Arrangements auf der anderen Seite machen „This is where I came in“ zu einer Ausnahmeerscheinung in der Pop-Szene unserer Zeit. Für Fans der Truppe Pflicht, aber auch echte HiFi-Freaks kommen hier auf ihre Kosten. Die AVANTERA holen das Trio in Ihr Wohnzimmer, lassen Schlagzeugattacken aus dem Nichts entstehen, so trocken und präzise, dass Sie zusammenzucken – denn die AVANTERA schrecken vor gefühlten Originalpegeln nicht zurück. Gleichzeitig klingen die Stimmen der Gibb-Brüder so geschmeidig, so filigran und in allen drei Dimensionen korrekt, dass Sie vielleicht nie mehr von diesen Ausnahme-Wandlern lassen wollen.

 


 30.06.2011

Dream Theater | Awake | WARNER

Dream Theater | Awake | WARNER

Für Einsteiger und Neugierige in Sachen „Progressive-Rock“ ist das Album „Awake“ von Dream Theater keine leicht zugängliche Kost. Für Kenner der Szene dagegen zählen die New Yorker Musiker längst zum Pflichtprogramm. Monströse Melodielinien, wechseln mit sperrigen Passagen, harten Riffs, knöchern rauen Drums und einem zuweilen sphärischen Gesang. Düster wie ein Abgrund und so faszinierend wie ein Schocker aus der Feder von Stephen King. Wer jedoch glaubt, das Album sei nur für Hardcore-Metal-Fans irrt, viel mehr lädt es ein auf eine Reise durch faszinierende Musikwelten mit perfekten Arrangements. Klanglich absolut erste Sahne und für Lautsprecher ein echter Stresstest.

 


 30.05.2011

Bangles | Best | ZOUNDS

Bangles | Best | ZOUNDS

In den Achtzigern fehlten die Bangles in keiner Chartliste. Anfang 1986 landeten sie mit „Manic Monday“ einen Welthit. Der Titel stammt aus der Feder von Prince. Es folgten noch viele Ohrwürmer in eingängiger Pop-Manier. Blank gewienerte Songs, die trotz aller Leichtigkeit, oder gerade deswegen, Spass machen.

Dass es auch anders geht, beweisen die vier Mädels aus Kalifornien mit der nachdenklich stimmenden Ballade „Following“, die kommerziell, welch Wunder, kein Erfolg wurde. So ernsthaft und erwachsen kennt man das Quartett nicht.

Durch hinzugefügten Hall etwas künstlich, ist die Einspielung klangtechnisch dennoch herausragend – insbesondere auf diesem Sampler aus dem Hause ZOUNDS. Die Saiten der akustischen Gitarre werden nahezu greifbar, ihr Ausschwingen regelrecht körperhaft. Die SITARA 25 vermitteln ein Abbild in allen drei Dimensionen und geben die Vocals glasklar und haarscharf umrissen wieder ohne kühl zu klingen.

 

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